| Von 822 bis 844 war
Hrabanus Maurus Vorsteher der berühmten Klosterschule und Abt
des Klosters Fulda. In dieser Zelt wurden die vorhandenen Urkunden
des Klosters in einem sogenannten Kopialbuch zusammengefaßt.
In einer dieser Urkunden ist Hördt erstmals urkundlich erwähnt.
Die Urkunde bestätigt eine Schenkung des Acbuto von einer Kirche,
mehreren Höfen und dazugehörigen 63 Leibeigenen, davon
zwölf zwischen Hördt und Ottersheim, an das Kloster Fulda
zu Ehren des hl. Märtyrers Bonifatius. Diese zwölf übereigneten
Unfreien lebten nach der Urkundenabschrift, die in lateinischer
Sprache und in angelsächsischen Zügen geschrieben ist,
"in Terherdi et Hudamaresheim“. Richtig zu lesen ist
die Ortsbezeichnung in der Urkunde "... inter Herdi ...“,
wie es wohl auch in der Urkunden-Erstschrift geheißen hatte.
Die Schenkung erfolgte zu der Zeit, in der Baugolfus Abt des Klosters
war (zwischen 780 und 802).
Die Bezeichnung "in Terherdi" ist der Grund für die
wiederholten Versuche, den Namen des Ortes auf die Römer und
damit auf eine römische Ansiedlung zurückzuführen.
Ein römischer Wartturm (lat. Specula) stand mit größter
Wahrscheinlichkeit auf einer Anhöhe Richtung Bellheim, wo sich
zwei römische Verkehrswege kreuzten. Die Gewanne heißt
heute noch „Alter Turm“. Neuesten Erkenntnissen zufolge
ist davon auszugehen, dass zu jener Zeit bei Hördt weitere
Gebäude standen. Diese Tatsache belegen gegenwärtig immer
mehr Funde.
Nicht geklärt ist, ob dieser Agboto vom Elsaß, wie er
nach neueren Schriften genannt wird, in Hördt Grundbesitz hatte
oder gar da gewohnt hat. Sehr wahrscheinlich ist es nicht.
Auf eine frühe Besiedlung weisen zahlreiche Funde hin. Im Schwalbenflug,
im Klostergarten, in der Kühwoog und in anderen Gemarkungsteilen
sind zahlreiche Steinbeile und Gefäße bzw. Gefäßteile
aus der jüngeren Steinzeit, etwa 5000 v.Chr., gefunden worden.
Aber auch Tierknochen von Großtieren, wahrscheinlich Elephas
(Elefant), wurden ausgebaggert. Zeitstellung: Diluvium 20-80.000
v.Chr.
1937 wurde bei Erdarbeiten in der Gewanne „Schwarzwiesen“
ein spätbronzezeitliches Urnen-Gräberfeld, von etwa 1000
v.Chr. festgestellt.
Aus der Römerzeit sind 2 Göttersteine vorhanden. Während
der eine die Göttin Juno (100x57x15 cm) darstelle, zeigt der
andere den Gott Merkur (96x45x17 cm); Zeitstellung: 2./3. Jahrhundert
n.Chr. Die Steine sind heute im Besitz des Reiss-Museums in Mannheim.
Auch ein römischer Brückenstein mit Inschrift aus dem
2. Jh. n.Chr. wurde 1898 bei Hördt aufgefunden. Weiter ist
noch ein Kurzschwert anzuführen, wie es oft in fränkischen
Gräbern gefunden wurde (6./7. Jahrhundert, merowingisch).
Über die Entstehung des Dorfes Herdi gibt es keinen genauen
Nachweis. Deutung des Ortsnamens: Feuerstelle, Herd, Haus, Wohnung.
Wahrscheinlich ist laut Aussage von Prof. Ernst Christmann jedoch,
dass Herdi zwischen 600 und 800 entstand. Möglich, dass es
später zur Burg Spiegelberg gehörte, welche erstmals unter
dem Datum 29.04.1200 genannt wird.
Seinen besonderen Aufschwung erlebte Herthi (Hördt) an seinem
so denkwürdigen Tag, dem 9. Februar 1103, als ein Edelmann
mit Namen Herimannus vor Kaiser Heinrich IV. sowie Johannes I. Bischof
von Speyer, und zahlreichen adligen Zeugen in Speyer auf seinem
Gut in Herthi ein Kloster errichtet, zu seinem und der Seinigen
Seelenheil. Das Kloster wurde wie der Dom zu Speyer der Muttergottes
geweiht. Er beschenkte es mit vielen Gütern in der näheren
und weiteren Umgebung.
Die Dorfkirche St. Georg ließ er bereits vor 1103 errichten.
Von da ab lehnt sich die Entwicklung des Dorfes eng an die des Klosters
an. Die Einwohner sind jedoch in mancherlei Hinsicht der Propstei
und diese wiederum dem Dorf verpflichtet. Insbesondere sind dies
gemeinsame Gerechtigkeiten wie Viehweiden, Holzrechte, Fischereirechte
u.a.
Im Jahre 1540 entsteht die Gerichtsordnung des Dorfes. Sie regelt
Zuständigkeiten und Gebühren des Gerichts als dessen Vorsteher,
der Schultheiß fungiert. Hier ist auch die "Gebühr"
für die Beurkundung eines Güterverkaufs geregelt. Sie
betrug „acht Maß Wein und zwey Brodt“. Festgelegt
war auch, dass die Wirte den roten Wein einen Pfennig billiger als
den weißen verkaufen sollten.
Im gleichen Jahr (1540) ist auch die Hördter Dorfordnung entstanden.
Hier sind vor allem die Holzrechte und die Strafen bei Verstoß
gegen dieselben angeführt. Regelungen werden weiter festgelegt
für Bäcker, Wirte, Metzger, Ölmüller und Strafen
für unberechtigte Weide.
Das Kloster Hördt wurde von Augustiner Chorherren besiedelt,
die meist dem Adel angehörten und war für knapp 550 Jahre
der religiöse und geistige Mittelpunkt dieser Gegend gewesen
und wohl das reichste Ritterkloster der damaligen Kurpfalz.
Der gute Ruf, der von Hördt ausging wird durch die Tatsache
gekennzeichnet, dass die Hl. Hildegard von Bingen es mehrmals besuchte
(1171). Der gute Ruf aber bewahrte das Edelleut-Kloster nicht vor
einem schweren Schicksal, von dem so viele Klöster getroffen
wurden.
Es war durch die wirtschaftlichen Verhältnisse jener Zeit tatsächlich
viel Unzufriedenheit unter dem Volk. Das Besitztum lag größtenteils
in den Händen der Fürsten und Klöster. Die damaligen
Bauern und Handwerker standen in Abhängigkeit von ihnen und
hatten namentlich viele und schwere Frondienste zu leisten. Die
Steuern und Umlagen waren fast unerschwinglich. Das Kloster wurde
ausgeraubt und angezündet, die Mönche misshandelt und
der damalige Propst Florenz Schlieder (Schliederer) von Lachen ist
sogar an den ihm zugefügten Misshandlungen gestorben.
Bei dem Aufstand, der in der Osterzeit 1525 ausbrach, wurde das
Kloster zuerst durch die Nußdorfer und dann durch die Bruhrheiner
Bauern schwer in Mitleidenschaft gezogen. Wie sich die Hördter
Untertanen und die der Umgebung in dieser Situation verhielten,
darüber gibt es keine Aufzeichnungen. In der Hinrichtungsakte
von Pfeddersheim befanden sich keine Hördter Namen. Aber auch
der Bauernaufstand fand ein blutiges und trauriges Ende. Über
100 000 Menschen fanden hierbei den Tod und über 1000 Klöster
wurden in Deutschland vernichtet oder schwer geschädigt. Und
was war das Los der Bauern? Es war schlechter als wie zuvor geworden.
Niemand dachte nach dem Aufstand an eine Besserung der Verhältnisse.
Die nun nachfolgenden Epochen der Reformation und des 30jährigen
Krieges ließen die Propstei nie mehr zu ihrer einstigen Blüte
gelangen. Zwar hatte Propst Petrus Krane von 1637 an versucht, das
Hördter Augustinerkloster wieder für seinen Orden in Besitz
zu nehmen und ihm seinen einstigen Ruf zurückzugeben. Jedoch
die Kriegsunruhen und die Rechtlosigkeit der damaligen Zeit trugen
dazu bei, dass auch er als eigentlich letzter Propst des Hördter
Klosters mit Gewalt auf Anweisung des Fürstbischofs und französischer
Soldaten vertrieben wurde. Kloster Hert wurde Eigentum der Kurpfalz
und alle Einnahmen flossen dahin.
In den Zeiten der Reformation und des 30jährigen Krieges und
danach, von 1556 bis 1660 musste auch das Kloster Herdt mit seinen
Untertanen neunmal die Religion wechseln (lutherisch, calvinisch,
katholisch).
Die langsame und endgültige Auflösung lies sich nicht
mehr aufhalten. Die französische Revolution brachte der alten
Klosterstiftung die völlige Auflösung. Die großen
Besitzungen des Klosters wurden als Eigentum der französischen
Nation erklärt und versteigert. Der mehrere Hundert Hektar
zählende Wald ging 1816 in das Eigentum des bayerischen Staates
über. Der Großteil der Klostergüter ging nicht an
Hördter Bürger, sondern an Auswärtige.
Vermutlich viele Einwohner mußten sich ab den 1740er Jahren
am, von französischen Truppen angeordneten, Bau der Queichlinien
zwischen Landau und dem Rhein bei Hördt als Fronarbeiter beteiligen.
In einem Waldstück nahe des Spiegelbachs befindet sich die
letzte, noch größtenteils erhaltene, Schanze dieser militärischen
Anlage. 1759 ließen die Franzosen die Liniendörfer vermessen,
so dass man heute auf einen sehr detaillierten Ortsplan aus dieser
Zeit zurückgreifen kann.
Der Rhein war vor seiner Begradigung um 1825 immer eine große
Überschwemmungsgefahr für die Felder der Rheinniederung
und alle Anzeichen sprechen momentan dafür, dass die Hördter
Rheinniederung möglicherweise wieder Überschwemmungsgebiet
werden soll.
Während der Ort 1802 noch 740 Einwohner hatte, sind es im Jahre
1836 bereits 1440. Die erste Zigarrenfabrik eröffnete 1863
ihren Betrieb.
Bei der Bevölkerung bahnt sich, beginnend um 1935 eine Umschichtung
in den Erwerbstätigkeiten an. Viele vorherige „Zigarrmacher“,
aber auch Landwirte mit kleinerem Besitz, wandern ins Baugewerbe
ab.
Die beiden Weltkriege überstand der Ort weitgehend unbeschadet,
jedoch waren insgesamt 193 Opfer an der Front und durch Kriegseinwirkung
in der Heimat zu beklagen.
In der Landwirtschaft sind die Betriebe immer weniger geworden.
Den heute noch vorhandenen hauptberuflichen Landwirten dient in
erster Linie Tabak, Spargel und Zuckerrübenanbau als Einnahmequelle,
während der Anbau von Getreide kaum noch als Einnahmequelle
gerechnet werden kann, obwohl der Getreideanbau die größte
Anbaufläche darstellt. Handel sowie mehrere leistungsfähige
Handwerksbetriebe ergänzen die Wirtschaftskraft des Dorfes.
Die Kirchengemeinde führte im letzten Jahrhundert zwei Umbauten
des Gotteshauses durch. Das Geläut wurde 2001 um drei Glocken
auf nun sieben erweitert.
Eine Innensanierung zu Beginn des Festjahres 2005 läßt
die Kirche in neuem Glanz erscheinen.
Im Jahr 1980 beging die Ortsgemeinde Hördt die 1200-Jahr-Feier
mit einer Festwoche und seitdem alle fünf Jahre das „Klosterfest“.
Die Turn- und Festhalle steht nach dem Bühnenneubau für
alle kulturellen Veranstaltungen zur Verfügung
Die Gemarkung ist 1846 ha groß, Staatswald 670 ha, Gemeindewald
197 ha, 919 ha landwirtschaftliche Fläche einschließlich
Wege und Gewässer sowie ca. 60 ha bebaute Fläche und eine
derzeitige Einwohnerzahl von rund 2500. Hördt liegt 100 (Niederung),
110 (Ortsmitte) und 121 m (höchste Erhebung in der Gemarkung)
über dem Meeresspiegel.
Über die Dorfgrenze hinaus und interessant ist das als die
„Hördter Rheinaue“ bekannte, zweitgrößte
Naturschutzgebiet der Pfalz mit 835 ha. Ein einzigartiges Reservoir
seltener und schätzenswerter Tier- und Pflanzenarten. Mehr
als zwei Drittel der Gemarkung sind Natur- und Landschaftsschutzgebiet.
Nur noch Straßennamen künden den Bewohnern des Klosterdorfes
von der einstigen Geschichte wie Kloster-, Garten-, Propstei-, Augustiner-
und Spiegelbergstraße sowie Propst-Krane-Platz und Herrimannusweg.
Ferner ein Standbild des hl. Johannes Nepomuk und ein Stück
Klostermauer mit einer Länge von 14,60 m, einer Höhe von
2,50 m und einer Tiefe von 60 cm.
Die St. Georgskirche und die Grundschule befinden sich auf dem Jergenberg,
wo einst das Nonnenkloster stand.
Als kirchliches Hochfest wird alljährlich das seit 1776 bestehende
Fest „Kreuzerhöhung“ gefeiert mit der Kreuzreliquie,
welche im Jahre 1768 als Geschenk aus Rom der Kirche von Hördt
übertragen wurde.
Kirchweih wird in Hördt am letzten Sonntag im August gefeiert.
Die Kulturgemeinde Hördt vereinigt insgesamt 27 Vereine sowie
als weitere Mitglieder die Orts- und Kirchengemeinde Hördt.
Die große Vergangenheit des Klosterdorfes Hördt spiegelt
sich bis heute in seinem Ortswappen wieder.
Max Frey sen.
Ergänzungen von Thorsten Verlohner
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