kopf
Zur OrtsgemeindeZur Kulturgemeinde1225-JahrfeierWetter in Hördt
Die GemeindeGrusswort des OBOrtsgemeinderatRatsitzungstermineGeschichteOrtswappenBildergalerie


Geschichtliches vom Klosterdorf

Von 822 bis 844 war Hrabanus Maurus Vorsteher der berühmten Klosterschule und Abt des Klosters Fulda. In dieser Zelt wurden die vorhandenen Urkunden des Klosters in einem sogenannten Kopialbuch zusammengefaßt. In einer dieser Urkunden ist Hördt erstmals urkundlich erwähnt. Die Urkunde bestätigt eine Schenkung des Acbuto von einer Kirche, mehreren Höfen und dazugehörigen 63 Leibeigenen, davon zwölf zwischen Hördt und Ottersheim, an das Kloster Fulda zu Ehren des hl. Märtyrers Bonifatius. Diese zwölf übereigneten Unfreien lebten nach der Urkundenabschrift, die in lateinischer Sprache und in angelsächsischen Zügen geschrieben ist, "in Terherdi et Hudamaresheim“. Richtig zu lesen ist die Ortsbezeichnung in der Urkunde "... inter Herdi ...“, wie es wohl auch in der Urkunden-Erstschrift geheißen hatte. Die Schenkung erfolgte zu der Zeit, in der Baugolfus Abt des Klosters war (zwischen 780 und 802).

Die Bezeichnung "in Terherdi" ist der Grund für die wiederholten Versuche, den Namen des Ortes auf die Römer und damit auf eine römische Ansiedlung zurückzuführen. Ein römischer Wartturm (lat. Specula) stand mit größter Wahrscheinlichkeit auf einer Anhöhe Richtung Bellheim, wo sich zwei römische Verkehrswege kreuzten. Die Gewanne heißt heute noch „Alter Turm“. Neuesten Erkenntnissen zufolge ist davon auszugehen, dass zu jener Zeit bei Hördt weitere Gebäude standen. Diese Tatsache belegen gegenwärtig immer mehr Funde.

Nicht geklärt ist, ob dieser Agboto vom Elsaß, wie er nach neueren Schriften genannt wird, in Hördt Grundbesitz hatte oder gar da gewohnt hat. Sehr wahrscheinlich ist es nicht.

Auf eine frühe Besiedlung weisen zahlreiche Funde hin. Im Schwalbenflug, im Klostergarten, in der Kühwoog und in anderen Gemarkungsteilen sind zahlreiche Steinbeile und Gefäße bzw. Gefäßteile aus der jüngeren Steinzeit, etwa 5000 v.Chr., gefunden worden. Aber auch Tierknochen von Großtieren, wahrscheinlich Elephas (Elefant), wurden ausgebaggert. Zeitstellung: Diluvium 20-80.000 v.Chr.

1937 wurde bei Erdarbeiten in der Gewanne „Schwarzwiesen“ ein spätbronzezeitliches Urnen-Gräberfeld, von etwa 1000 v.Chr. festgestellt.

Aus der Römerzeit sind 2 Göttersteine vorhanden. Während der eine die Göttin Juno (100x57x15 cm) darstelle, zeigt der andere den Gott Merkur (96x45x17 cm); Zeitstellung: 2./3. Jahrhundert n.Chr. Die Steine sind heute im Besitz des Reiss-Museums in Mannheim.

Auch ein römischer Brückenstein mit Inschrift aus dem 2. Jh. n.Chr. wurde 1898 bei Hördt aufgefunden. Weiter ist noch ein Kurzschwert anzuführen, wie es oft in fränkischen Gräbern gefunden wurde (6./7. Jahrhundert, merowingisch).

Über die Entstehung des Dorfes Herdi gibt es keinen genauen Nachweis. Deutung des Ortsnamens: Feuerstelle, Herd, Haus, Wohnung. Wahrscheinlich ist laut Aussage von Prof. Ernst Christmann jedoch, dass Herdi zwischen 600 und 800 entstand. Möglich, dass es später zur Burg Spiegelberg gehörte, welche erstmals unter dem Datum 29.04.1200 genannt wird.

Seinen besonderen Aufschwung erlebte Herthi (Hördt) an seinem so denkwürdigen Tag, dem 9. Februar 1103, als ein Edelmann mit Namen Herimannus vor Kaiser Heinrich IV. sowie Johannes I. Bischof von Speyer, und zahlreichen adligen Zeugen in Speyer auf seinem Gut in Herthi ein Kloster errichtet, zu seinem und der Seinigen Seelenheil. Das Kloster wurde wie der Dom zu Speyer der Muttergottes geweiht. Er beschenkte es mit vielen Gütern in der näheren und weiteren Umgebung.

Die Dorfkirche St. Georg ließ er bereits vor 1103 errichten. Von da ab lehnt sich die Entwicklung des Dorfes eng an die des Klosters an. Die Einwohner sind jedoch in mancherlei Hinsicht der Propstei und diese wiederum dem Dorf verpflichtet. Insbesondere sind dies gemeinsame Gerechtigkeiten wie Viehweiden, Holzrechte, Fischereirechte u.a.

Im Jahre 1540 entsteht die Gerichtsordnung des Dorfes. Sie regelt Zuständigkeiten und Gebühren des Gerichts als dessen Vorsteher, der Schultheiß fungiert. Hier ist auch die "Gebühr" für die Beurkundung eines Güterverkaufs geregelt. Sie betrug „acht Maß Wein und zwey Brodt“. Festgelegt war auch, dass die Wirte den roten Wein einen Pfennig billiger als den weißen verkaufen sollten.

Im gleichen Jahr (1540) ist auch die Hördter Dorfordnung entstanden. Hier sind vor allem die Holzrechte und die Strafen bei Verstoß gegen dieselben angeführt. Regelungen werden weiter festgelegt für Bäcker, Wirte, Metzger, Ölmüller und Strafen für unberechtigte Weide.

Das Kloster Hördt wurde von Augustiner Chorherren besiedelt, die meist dem Adel angehörten und war für knapp 550 Jahre der religiöse und geistige Mittelpunkt dieser Gegend gewesen und wohl das reichste Ritterkloster der damaligen Kurpfalz.

Der gute Ruf, der von Hördt ausging wird durch die Tatsache gekennzeichnet, dass die Hl. Hildegard von Bingen es mehrmals besuchte (1171). Der gute Ruf aber bewahrte das Edelleut-Kloster nicht vor einem schweren Schicksal, von dem so viele Klöster getroffen wurden.

Es war durch die wirtschaftlichen Verhältnisse jener Zeit tatsächlich viel Unzufriedenheit unter dem Volk. Das Besitztum lag größtenteils in den Händen der Fürsten und Klöster. Die damaligen Bauern und Handwerker standen in Abhängigkeit von ihnen und hatten namentlich viele und schwere Frondienste zu leisten. Die Steuern und Umlagen waren fast unerschwinglich. Das Kloster wurde ausgeraubt und angezündet, die Mönche misshandelt und der damalige Propst Florenz Schlieder (Schliederer) von Lachen ist sogar an den ihm zugefügten Misshandlungen gestorben.

Bei dem Aufstand, der in der Osterzeit 1525 ausbrach, wurde das Kloster zuerst durch die Nußdorfer und dann durch die Bruhrheiner Bauern schwer in Mitleidenschaft gezogen. Wie sich die Hördter Untertanen und die der Umgebung in dieser Situation verhielten, darüber gibt es keine Aufzeichnungen. In der Hinrichtungsakte von Pfeddersheim befanden sich keine Hördter Namen. Aber auch der Bauernaufstand fand ein blutiges und trauriges Ende. Über 100 000 Menschen fanden hierbei den Tod und über 1000 Klöster wurden in Deutschland vernichtet oder schwer geschädigt. Und was war das Los der Bauern? Es war schlechter als wie zuvor geworden. Niemand dachte nach dem Aufstand an eine Besserung der Verhältnisse.

Die nun nachfolgenden Epochen der Reformation und des 30jährigen Krieges ließen die Propstei nie mehr zu ihrer einstigen Blüte gelangen. Zwar hatte Propst Petrus Krane von 1637 an versucht, das Hördter Augustinerkloster wieder für seinen Orden in Besitz zu nehmen und ihm seinen einstigen Ruf zurückzugeben. Jedoch die Kriegsunruhen und die Rechtlosigkeit der damaligen Zeit trugen dazu bei, dass auch er als eigentlich letzter Propst des Hördter Klosters mit Gewalt auf Anweisung des Fürstbischofs und französischer Soldaten vertrieben wurde. Kloster Hert wurde Eigentum der Kurpfalz und alle Einnahmen flossen dahin.

In den Zeiten der Reformation und des 30jährigen Krieges und danach, von 1556 bis 1660 musste auch das Kloster Herdt mit seinen Untertanen neunmal die Religion wechseln (lutherisch, calvinisch, katholisch).

Die langsame und endgültige Auflösung lies sich nicht mehr aufhalten. Die französische Revolution brachte der alten Klosterstiftung die völlige Auflösung. Die großen Besitzungen des Klosters wurden als Eigentum der französischen Nation erklärt und versteigert. Der mehrere Hundert Hektar zählende Wald ging 1816 in das Eigentum des bayerischen Staates über. Der Großteil der Klostergüter ging nicht an Hördter Bürger, sondern an Auswärtige.

Vermutlich viele Einwohner mußten sich ab den 1740er Jahren am, von französischen Truppen angeordneten, Bau der Queichlinien zwischen Landau und dem Rhein bei Hördt als Fronarbeiter beteiligen. In einem Waldstück nahe des Spiegelbachs befindet sich die letzte, noch größtenteils erhaltene, Schanze dieser militärischen Anlage. 1759 ließen die Franzosen die Liniendörfer vermessen, so dass man heute auf einen sehr detaillierten Ortsplan aus dieser Zeit zurückgreifen kann.

Der Rhein war vor seiner Begradigung um 1825 immer eine große Überschwemmungsgefahr für die Felder der Rheinniederung und alle Anzeichen sprechen momentan dafür, dass die Hördter Rheinniederung möglicherweise wieder Überschwemmungsgebiet werden soll.

Während der Ort 1802 noch 740 Einwohner hatte, sind es im Jahre 1836 bereits 1440. Die erste Zigarrenfabrik eröffnete 1863 ihren Betrieb.

Bei der Bevölkerung bahnt sich, beginnend um 1935 eine Umschichtung in den Erwerbstätigkeiten an. Viele vorherige „Zigarrmacher“, aber auch Landwirte mit kleinerem Besitz, wandern ins Baugewerbe ab.

Die beiden Weltkriege überstand der Ort weitgehend unbeschadet, jedoch waren insgesamt 193 Opfer an der Front und durch Kriegseinwirkung in der Heimat zu beklagen.

In der Landwirtschaft sind die Betriebe immer weniger geworden. Den heute noch vorhandenen hauptberuflichen Landwirten dient in erster Linie Tabak, Spargel und Zuckerrübenanbau als Einnahmequelle, während der Anbau von Getreide kaum noch als Einnahmequelle gerechnet werden kann, obwohl der Getreideanbau die größte Anbaufläche darstellt. Handel sowie mehrere leistungsfähige Handwerksbetriebe ergänzen die Wirtschaftskraft des Dorfes.

Die Kirchengemeinde führte im letzten Jahrhundert zwei Umbauten des Gotteshauses durch. Das Geläut wurde 2001 um drei Glocken auf nun sieben erweitert.

Eine Innensanierung zu Beginn des Festjahres 2005 läßt die Kirche in neuem Glanz erscheinen.

Im Jahr 1980 beging die Ortsgemeinde Hördt die 1200-Jahr-Feier mit einer Festwoche und seitdem alle fünf Jahre das „Klosterfest“. Die Turn- und Festhalle steht nach dem Bühnenneubau für alle kulturellen Veranstaltungen zur Verfügung

Die Gemarkung ist 1846 ha groß, Staatswald 670 ha, Gemeindewald 197 ha, 919 ha landwirtschaftliche Fläche einschließlich Wege und Gewässer sowie ca. 60 ha bebaute Fläche und eine derzeitige Einwohnerzahl von rund 2500. Hördt liegt 100 (Niederung), 110 (Ortsmitte) und 121 m (höchste Erhebung in der Gemarkung) über dem Meeresspiegel.

Über die Dorfgrenze hinaus und interessant ist das als die „Hördter Rheinaue“ bekannte, zweitgrößte Naturschutzgebiet der Pfalz mit 835 ha. Ein einzigartiges Reservoir seltener und schätzenswerter Tier- und Pflanzenarten. Mehr als zwei Drittel der Gemarkung sind Natur- und Landschaftsschutzgebiet.

Nur noch Straßennamen künden den Bewohnern des Klosterdorfes von der einstigen Geschichte wie Kloster-, Garten-, Propstei-, Augustiner- und Spiegelbergstraße sowie Propst-Krane-Platz und Herrimannusweg. Ferner ein Standbild des hl. Johannes Nepomuk und ein Stück Klostermauer mit einer Länge von 14,60 m, einer Höhe von 2,50 m und einer Tiefe von 60 cm.

Die St. Georgskirche und die Grundschule befinden sich auf dem Jergenberg, wo einst das Nonnenkloster stand.

Als kirchliches Hochfest wird alljährlich das seit 1776 bestehende Fest „Kreuzerhöhung“ gefeiert mit der Kreuzreliquie, welche im Jahre 1768 als Geschenk aus Rom der Kirche von Hördt übertragen wurde.

Kirchweih wird in Hördt am letzten Sonntag im August gefeiert.

Die Kulturgemeinde Hördt vereinigt insgesamt 27 Vereine sowie als weitere Mitglieder die Orts- und Kirchengemeinde Hördt.

Die große Vergangenheit des Klosterdorfes Hördt spiegelt sich bis heute in seinem Ortswappen wieder.

Max Frey sen.
Ergänzungen von Thorsten Verlohner

Wappen der Gemeinde Hördt

 


"Das Wappen zeigt in Rot die auf goldenem Thron sitzende Gottesmutter in blau-goldenem Gewand, in der Rechten eine weisse Klosterkirche tragend. Auf ihrem Schoss sitzend das, ein rotes Buch haltende, Jesuskind. Zu beider Füßen das alte Hördter Gerichtssiegel im Wappenbild in Gold, eine rote Hausmarke in Gestalt eines gestürzten V zeigend."

 

Literatur zu Dorf, Kloster,

Menschen, Vereinen ...

 

* Zu bestellen über die E-Mail-Adresse kulturhoerdt@web.de zum Preis von 3,-- € plus Versandkosten oder in den Sprechstunden des Ortsbürgermeisters (mittwochs ab 18:00 Uhr, im Rathaus)

Ebenso können noch Videokassetten oder DVDs mit dem Festspiel "Schütze mein Leben vor den Schrecken des Feindes!" unter der selben E-Mail-Adresse bestellt werden

Das Buch "Hördter Dorfgeschichten" von Erwin Hinkelbein finden Sie hier.

Auch die Jakob Baumann Biografie von Isa-Maria Betz ist zu bestellen unter der E-Mail-Adresse kulturhoerdt@web.de.

wappenrathaus